Kynologische Begriffe

 

Definitionen und kurze Erläuterungen:

Wesen ist die Gesamtheit der angewölften (Erbkoordinaten) und der erworbenen (Erwerbskoordinaten) Verhaltensweisen eines Hundes. Nach wissenschaftlichen Erfahrungen ist die Mehrzahl der Verhaltensstörungen beim Hund erworben und nicht angewölft. Wesensfestigkeit Erwünscht ist eine innere Ausgewogenheit, eine Art Gelassenheit, die selbst bei Eintreten außergewöhnlicher Umwelteinflüsse bestehen bleibt oder aber sich schnell wieder einstellt. Wie ein Hund auf Umweltreize reagiert, hängt in erster Linie von seinen Nerven ab.
Wesensschwäche“ ist ein Zustand angewölfter oder erworbener, nervöser Reizbarkeit oder über empfindlicher Reaktion auf alles Ungewöhnliche. Hierzu muss man Milieuscheue, Gewitterangst, Geräuschempfindlichkeit u. A. rechnen (z. B. Schussempfindlichkeit, Schussscheue, Scheue gegenüber fremden Personen, jede Art übersteigerten Misstrauens, Angstbeißen“, Weichheit und Ängstlichkeit bei der Abrichtung schreckhaftes Reagieren auf alles Ungewohnte.

Nervenkostüm Auch dieser Begriff taucht in der Kynologie immer wieder und häufiger auf. Wir meinen, dass der Begriff im „Wesen“ erfasst und daher als eigener Begriff nicht notwendig ist.

Charakter In der Kynologie wird immer öfter vom „Charakter“ eines Hundes gesprochen. Der Ausschuss hat sich eingehend mit diesem Ausdruck auseinandergesetzt und ist zu dem eindeutigen Beschluss gekommen, dass der Ausdruck „Charakter künftig auf den Hund bezogen nicht mehr verwandt werden sollte.

Temperament Wir sollten künftig „Temperament“ wie folgt definieren: Ansprechbarkeit, Stärke und Geschwindigkeit der Reaktionen auf äußere und innere Reize (Appetenz- und Reaktionsintensität). Schließlich stellt das Temperament“ das individualtypische (rassetypische) Bild ererbter Verhaltenszüge.

Prägung Prägungsphase 3.-8-Lebenswoche „Prägung“ ist auf einen bestimmten, sehr kurzen Zeitraum begrenztes Lernvermögen. Deshalb spricht man auch im Zusammenhang mit Prägung von einer Phase (Prägungsphase). Außenfaktoren, wie Leben mit den Wurfgeschwistern und der Mutter, behütetes Erleben der Umwelt, akustischer und geruchlicher Kontakt zum Menschen (nicht nur zum Züchter), Spielmöglichkeit und freie Entfaltung bilden die Grundlage des Wesens mit.

Sozialisierung Sozialisierungphase 8. -ca. 12.-14.Lebenswoche Unter Sozialisierung verstehen wir ein auf einen bestimmten Zeitraum begrenztes Lernvermögen zur Gemeinschaftsbildung (Sozialisierungsphase). Spielen mit Artgenossen, Führerin, Führer und Fremden (Welpenspieltage); Zuwendung und Geborgenheit, Geduld und Konsequenz, Behütete Schrittweise - den Welpen aber nicht überbelastende - Konfrontation mit Belastungssituationen der Umwelt, z. B. Beutefangspiele an der Reizangel, Futterschleppe, usw.

Rangordnung Rangordnungsphase ca. 4. Lebensmonat Der Begriff „Rangordnungsphase“ besagt zunächst, dass es innerhalb einer Gruppe rangmäßig höherstehende und tief stehende Individuen gibt, wobei sich aus der jeweiligen Ranghöhe des einzelnen eine gewisse Ordnung ergibt. Während der Rangordnungs-phase wird unter anderem diese Rangordnung „eingespielt“. Diese Zeit umfasst, ganz grob gesprochen, den vierten Lebensmonat. Spiel heißt beständiger Wechsel des Tun und nicht stures Drillen von Einzelhandlungen! Ebenso lassen sich übliche Unterordnungsübungen leicht aufbauen (auf ca. 15 Min. pro Tag beschränkt).


Rudelordnung Rudelordnungsphase ca. 4.-5. Lebensmonat
 Die Zeit des Lernens in der Praxis, die über das simulierte Spiel hinaus geht. (Rudelordnungsphase)  Gerade in der Rudelordnungsphase wird man streng und genau darauf achten müssen, dass der Hund Gefolgschaftstreue und Unterordnung als normalen Lebenszuschnitt begreifen lernt. (Viel Geduld und Konsequenz)

Gefolgschaftstreue Genau wie die Rangordnung für alle künftigen Zeiten im 4. Lebensmonat gefestigt worden ist, so wird jetzt auch für alle Zeiten eine Art von Arbeitsteilung im Rudel heraus gebildet. So wird man zweckmäßigerweise gerade in der Rudelordnungsphase streng und genau darauf achten müssen, dass der Hund Gefolgschaftstreue und Unterordnung als normalen Lebenszuschnitt begreifen lernt. Damit ist auch die Gefolgschaftstreue zum Rudeloberhaupt (Führer) verständlich.

Schärfe Generell gesehen ist Schärfe die stets gegenwärtige Bereitschaft zur kämpferischen Auseinandersetzung. Je nach Kampfobjekt unterscheiden wir mehrere Arten von Schärfe:
1. die Wildschärfe, 2. die Raubwild- und Raubzeugschärfe, 3. die Mannschärfe. Analog dazu gibt es auch noch die Bereitschaft zur Schärfe gegenüber Artgenossen, anderen Tieren oder Ersatzobjekten, was aber nicht Gegenstand der weiteren Betrachtung sein soll. Aus der Praxis muss festgehalten werden, dass Schärfe ausschließlich angewölft ist .

Mannschärfe ist die Bereitschaft des Hundes zur kämpferischen Auseinandersetzung speziell mit dem Menschen oder auch die Eigenschaft des Hundes, jeder scheinbaren oder tatsächlichen Bedrohung durch den Menschen aktiv entgegenzutreten.

Reiz und Reizschwelle Leistungsfähigkeit der Sinnesorgane und der ihnen zugeordneten Anteile des Nervensystems. So müssen wir also auf die Reizbarkeit = Empfindlichkeit (Sensibilität) der Sinnesorgane achten, wenn es um Züchterfragen geht. Alle Reize werden allein von Sinnesorganen wie Nase, Ohr, Tastsinn wahrgenommen. Je besser diese sind, um so geringfügigere „schwellenerniedrigte“ Reize können wahrgenommen werden.

Empfindlichkeit definiert, ist die Eigenschaft eines Hundes auf bestimmte, z. T. eng begrenzte  Umweltreize zu reagieren. Der auslösende Faktor kann akustischer, optischer sowie olfaktorischer Art sein (olfaktorisch = geruchlich).

Empfindlichkeit und Scheue gegen Sinnesreize Hunde reagieren auf Geräusche jeder Art oder auch nur bei Geräuschen bestimmter Art unterschiedlich und verschieden stark. Inwieweit die mit Empfindlichkeitszeichen jeder Art und Stärke
behafteten Hunde diese Mängel als Erbgut mitbringen, ist heute noch nicht ausreichend geklärt. Grad und Art der Geräuschempfindlichkeit sind durch Haltung und Abrichtung in gewissen Maße beeinflussbar. Daher ist es empfehlenswert, Hunde möglichst in früher Jugend behutsam und schrittweise an Geräusche möglichst jeder Art zu gewöhnen, die dem späteren Gebrauchszweck entsprechen.

 

Härte Nach Prof. Dr. E. Seiferle, Zürich, ist „Härte“ die Fähigkeit, unlustvollen Empfindungen und Erlebnisse, wie Schmerz, Strafe, Niederlage im Kampf, ohne sich im Augenblick oder auf Dauer wesentlich beeindrucken zu lassen, hinzunehmen. Mit der Gleichsetzung von „Härte“ und „Schärfe“ war der Begriffswirrwarr vollkommen. Gewiss gibt es Grenzbereiche, in denen der Unterschied nicht genau festzustellen ist. Auf alle Fälle ist zu beachten, dass ein harter Hund nicht auch unbedingt ein scharfer Hund zu sein braucht. Dies gilt natürlich auch im umgekehrten Sinn.

Schärfe und „Überschärfe“ Je nach Art und Intensität der äußeren Reizwirkung kommt es zu einer mehr oder weniger starken Kampfstimmung, z. B. Haaresträuben, Zähnefletschen, böses Knurren usw. Diese Kampfstimmung ist im Wesen begründet. Bei wesensfesten Hunden stellt sich die Harmonie, wie wir sie wünschen, nach kurzer Zeit wieder ein. Bei wesensschwachen Hunden dagegen kann die Kampfstimmung zur blindwütigen Raserei ausarten.

„Scheinschärfe“ des Angstbeißers Unerwünscht ist dagegen die „Scheinschärfe“. Diese trifft man öfter an als zugegeben wird. Als Beispiel sei hier der Angstbeißer aufgeführt. Angstbeißen hat mit Schärfe überhaupt nichts zu tun. Beim Angstbeißen handelt es sich ausschließlich um eine Aggressionshandlung aus Angst!

Reagieren auf Reize Alle Reaktionen, die ein Tier auf einen entsprechenden Reiz hin zeigt, werden grundsätzlich von zwei Verhaltenselementen gesteuert: der angewölften Bewegungsweisen (Erbkoordinationen) und den erlernten Bewegungsweisen(Erwerbskoodinationen).

Scheue ist das unerwünschte Fluchtverhalten eines Hundes (schussscheu, milieuscheu, gewitterscheu, handscheu)

Schussempfindlich sind Hunde, die auf den Schuss hin mit der Arbeit aufhören, zu ihrem Führer kommen, jedoch nach Aufforderung durch den Führer ihre Arbeit fortsetzen.

Stark schussempfindlich sind Hunde, die auf den Schuss hin sofort mit der Arbeit aufhören, zum Führer zurückkehren, sich verstört und ängstlich zeigen und nicht mehr zu bewegen sind, weiterzuarbeiten.

Schussscheue Hunde ergreifen bei Abgabe eines Schusses sofort die Flucht. Sie sind in der Regel auch nicht bereit, selbst nach einer gewissen Zeit, zum Führer zurückzukehren und sich anleinen zu lassen.

Gewitterscheue Sicher empfinden auch Hunde Witterungsschwankungen und sind besonders empfindlich bei aufziehendem Gewitter. Diese Empfindlichkeit in ausgeprägter Form ist als Gewitterscheue zu bezeichnen.

Milieuscheue In ungewohnter Umgebung zeigen sich fast alle Hunde mehr oder weniger beeindruckt. Sie sind vorsichtig, zeigen nicht ihr übliches Verhalten, reagieren ängstlich oder gar aggressiv. Dieses Verhalten kann als Milieuscheue bezeichnet werden, wenn der Hund deutliche Anzeichen von Angst und Fluchtverhalten zeigt.
Unterordnung ist eine angewölfte Verhaltensweise, die das Zusammenleben aller sozial lebenden Tiere erst ermöglicht und ist somit für diese wichtigste Verhaltensweise schlechthin. Sie bestimmt die Rangfolge im Rudel und ist für gemeinsam jagende Tiere unabdingbar und daher bei diesen besonders ausgeprägt. Ein hohes Maß an Unterordnung zeigt jener Hund, der auf Arbeitsgebieten, die ihm von der Veranlagung her weniger liegen, trotzdem bereit ist, ein von ihm verlangtes Verhalten zu erbringen.
 
Führigkeit ist die Bereitschaft des Hundes, dem von ihm anerkannten Meuteführer Mensch ohne Zwangseinwirkung zu dienen. Führigkeit zeigt sich ausschließlich in der Zusammenarbeit mit seinem Führer. Ein führiger Hund geht bereitwillig auf jeden Wunsch seines Führers ein. Er hält bei der Arbeit ohne Aufforderung stets Verbindung mit ihm. Während zwischen Unterordnung und Führigkeit gewisse, nicht scharf zu trennende Zusammenhänge bestehen, trifft diese für den Gehorsam nicht zu.
Unter Gehorsam versteht man die ständige Bereitschaft des Hundes, sich in jeder Situation den Wünschen (Befehlen, Weisungen) seines Führers schnell und sicher zu unterwerfen. Während Unterordnung und Führigkeit vom Hund zum Meuteführer Mensch gehen, also angeboten werden, verlangt beim Gehorsam der Meuteführer Mensch vom Hund, dass er seinen Anordnungen, Befehlen usw. sofort bedingungslos und zuverlässig nachkommt. Hierbei spielen nun allerdings die Bereitschaft zur Unterordnung und Führigkeit eine nicht geringe Rolle.