Gefährliche bzw. ungeeignete Nahrungsmittel für Ihren Hund

Die Ernährung des Hundes ist ein komplexes Feld, das eine sorgfältige Abwägung von Nährstoffbedarf und der Vermeidung toxischer Substanzen erfordert. Die Verfütterung von Resten aus der menschlichen Küche oder von Nahrungsmitteln, die als „natürlich“ gelten, kann zu schweren, teils lebensbedrohlichen Vergiftungen führen. Aus veterinärmedizinischer Sicht ist die strikte Vermeidung der folgenden Lebensmittel obligatorisch.
I. Lebensmittel mit systemischer Toxizität
Diese Stoffe führen bereits in geringen Mengen zu schweren Schäden an Organen oder dem Blutsystem.
1. Kakao und Methylxanthine (Schokolade, Kaffee, Tee)
Der Hauptwirkstoff in Schokolade, Theobromin, gehört zur Gruppe der Methylxanthine. Hunde metabolisieren Theobromin deutlich langsamer als der Mensch, wodurch es sich im Organismus akkumuliert und eine langanhaltende toxische Wirkung entfaltet. Die LD50 (letale Dosis) wird oft bei ca. 100mg Theobromin pro Kilogramm Körpermasse angesetzt, wobei bereits 20mg/kg schwere klinische Symptome auslösen können. Symptome sind Hyperaktivität, Erbrechen, Durchfall, Tachykardie (Herzrasen) und Arrhythmien, Muskelzittern und im schlimmsten Fall Krampfanfälle und Tod. Dunkle Schokolade und Backschokolade weisen die höchsten Konzentrationen auf (bis zu 2000mg/100 g). Koffein (in Kaffee, Cola, Energy-Drinks) ist ebenfalls ein Methylxanthin und wirkt zentralnervös stimulierend und toxisch.
2. Xylitol (Birkenzucker)
Xylitol, ein Zuckeraustauschstoff, der in zuckerfreien Kaugummis, Süßigkeiten und Backwaren enthalten ist, stellt eine akute Gefahr dar. Beim Hund bewirkt die Substanz eine massive, unkontrollierte Insulinausschüttung, die innerhalb von 30 Minuten zu einer lebensbedrohlichen Hypoglykämie (Unterzuckerung) führen kann. Die toxische Dosis beginnt bereits bei 0.1g/kg Körpermasse. Höhere Dosen (0.5 g/kg) können zudem akutes Leberversagen auslösen.
3. Zwiebelgewächse (Allium-Arten)
Zwiebeln, Knoblauch, Schnittlauch und Lauch enthalten N-Propyldisulfide und Allylpropylsulfid. Diese organischen Schwefelverbindungen führen zur oxidativen Zerstörung der roten Blutkörperchen, was eine hämolytische Anämie (Blutarmut) verursacht. Die Toxizität ist kumulativ und dosisabhängig. Obwohl Knoblauch in sehr geringen Mengen < 1 Zehe/Woche oft toleriert wird, besteht bei höheren oder regelmäßigen Gaben die Gefahr einer lebensbedrohlichen Blutarmut. Die Toxizität bleibt auch nach dem Kochen erhalten.
4. Avocado
Die Avocado enthält das fungizide Toxin Persin, hauptsächlich in der Schale, den Blättern und dem Kern. Beim Hund kann Persin zu Schäden am Herzmuskel, Lungenstauungen und Atemnot führen. Aufgrund der Schwierigkeit, ungiftige Sorten sicher von toxischen zu unterscheiden, wird vom Verzehr der gesamten Frucht und des Kerns abgeraten.
5. Weintrauben und Rosinen
Die genaue toxische Komponente ist derzeit noch nicht vollständig identifiziert, jedoch ist wissenschaftlich belegt, dass Weintrauben und Rosinen bereits in kleinen Mengen akutes Nierenversagen auslösen können. Die individuelle Empfindlichkeit variiert stark, weshalb selbst ein einzelner Verzehr ein veterinärmedizinischer Notfall ist.
II. Substanzen mit metabolischer oder physikalischer Gefahr
Diese Lebensmittel sind entweder aufgrund ihrer Zusammensetzung oder ihres physikalischen Zustandes ungeeignet oder gefährlich.
1. Rohes Schweinefleisch
Rohes Schweinefleisch kann den Aujeszky-Virus enthalten. Obwohl Deutschland, Österreich und die Schweiz offiziell als Aujeszky-frei gelten, besteht in anderen Ländern weiterhin ein Risiko. Eine Infektion mit dem Virus ist für Hunde tödlich und verläuft ähnlich der Tollwut (Pseudowut). Der Virus wird durch Kochen bei über 60°C sicher inaktiviert.
2. Rohe Hülsenfrüchte und Nüsse
- Rohe Leguminosen (Bohnen, Linsen, Erbsen): Sie enthalten Trypsinhemmstoffe und Lektine, die Verdauungsstörungen, Durchfall und Mangelerscheinungen verursachen. Diese Stoffe werden durch Kochen inaktiviert.
- Macadamia-Nüsse: Diese Nüsse enthalten ein unbekanntes Toxin, das Schwäche, Erbrechen, Zittern und Lähmungserscheinungen (insbesondere der Hinterhand) auslösen kann.
- Mandelkerne, Leinsamen, unreife Walnüsse: Können blausäurehaltige Glykoside enthalten. Leinsamen müssen geschrotet und gekocht werden, um die schädlichen Inhaltsstoffe zu inaktivieren und die nützlichen Omega-Fettsäuren verfügbar zu machen.
3. Rohes Eiklar
Rohes Eiweiß enthält den Trypsinhemmstoff (ein Verdauungsenzymhemmer) sowie Avidin. Avidin bindet das wichtige Vitamin Biotin, was bei langfristigem Verzehr zu Biotin-Mangelerscheinungen (z. B. Haut- und Fellproblemen) führen kann. Beide Stoffe werden durch Erhitzen (Kochen oder Braten) unschädlich gemacht. Rohes Eigelb ist unbedenklich.
4. Gekochte Knochen und Knochensplitter
Gekochte, gebratene oder gegrillte Knochen verlieren ihre Elastizität, werden spröde und splittern leicht. Diese scharfen Splitter können schwere Verletzungen der Speiseröhre, des Magens und des Darms verursachen und bis zum tödlichen Darmverschluss führen. Nur rohe, weiche Knochen von jungen Tieren (z. B. Kalbsbrustbein) sind bedingt geeignet.
5. Rohe Kartoffeln, Tomaten und Auberginen
Diese Nachtschattengewächse enthalten das giftige Alkaloid Solanin, dessen Konzentration in grünen Stellen und Keimen am höchsten ist. Solanin kann zu Erbrechen, Durchfall und zentralnervösen Störungen führen. Kartoffeln müssen daher gekocht und alle grünen Bereiche entfernt werden.
6. Salz und große Mengen an Milchprodukten
Hohe Salzdosen können zu einer lebensbedrohlichen Natriumionenvergiftung führen. Stark gesalzene Speisen sind strikt zu vermeiden. Viele erwachsene Hunde weisen zudem eine Laktoseintoleranz auf, da ihnen das Enzym Laktase fehlt. Dies führt nach dem Verzehr von Milch zu schweren Durchfällen und Verdauungsstörungen.
7. Hefe und Hefe-Teig
Roher Hefeteig ist aufgrund zweier Gefahrenquellen ungeeignet: Der Teig kann im warmen Magen-Darm-Trakt des Hundes weiter aufgehen und eine lebensbedrohliche Magendehnung verursachen. Zudem wird bei der Gärung Ethanol (Alkohol) produziert, was zu einer Alkoholvergiftung führen kann.
8. Alkohol und Kohlarten
Alkohol, ob in Getränken oder Lebensmitteln enthalten, wirkt stark toxisch auf das zentrale Nervensystem und kann zu Koma und Atemstillstand führen. Kohlarten (wie Blumenkohl, Brokkoli, Weißkohl) enthalten Oligosaccharide, die im Darm bakteriell zu Gasen vergoren werden. Dies verursacht Blähungen, Bauchkrämpfe und erhöht die Gefahr einer Magendrehung, weshalb sie nur in sehr geringen Mengen und gut gekocht verfüttert werden sollten.
Bei Verdacht auf die Aufnahme eines der genannten Stoffe ist umgehend ein Tierarzt oder eine Tierklinik zu konsultieren. Zögern Sie nicht, da im Falle von Vergiftungen jede Minute zählt.
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