
Die Entwicklung unserer jungen Jagdgefährten zu robusten, souveränen und führigen Teckeln beginnt bereits in den ersten Lebenswochen. Ein zentraler Aspekt dieser gesunden Entwicklung ist die natürliche Fortbewegung. Oftmals sieht man den Impuls, die kleinen Welpen aus vermeintlicher Fürsorge in Babytragetaschen, Rucksäcken oder speziellen Tragehilfen zu transportieren. Aus unserer Sicht muss jedoch betont werden, dass diese Praxis die elementare physische und psychische Entwicklung des Welpen ernsthaft beeinträchtigen kann.
Ein Welpe ist ein Entdecker, ein kleiner Abenteurer, dessen Welt sich durch seine Sinne und seine Bewegung erschließt. Das Laufen auf den eigenen vier Pfoten ist dabei weit mehr als nur Fortbewegung; es ist ein grundlegender Baustein für seine körperliche und geistige Entwicklung.
Das Laufen auf den eigenen vier Pfoten ist das primäre Werkzeug des jungen Hundes, um seine Welt zu begreifen und seinen Körper zu formen. Jeder Schritt, den der Welpe macht, ist ein notwendiges Training für den gesamten Bewegungsapparat. Die Muskulatur wird gezielt aufgebaut, Sehnen und Bänder werden gestärkt, und die Gelenke passen sich den natürlichen Belastungen an. Wird der Welpe stattdessen über längere Zeiträume getragen, wird ihm diese unentbehrliche, altersgerechte Belastung vorenthalten. Dies kann zu einer Unterentwicklung der Muskulatur führen, was insbesondere bei Rassen, die später im Gelände und im Bau Höchstleistungen erbringen sollen, die Grundlage für eine stabile Gesundheit und Leistungsfähigkeit untergräbt. Die Robustheit, die den Teckel auszeichnet, entsteht durch das selbstständige Bewegen und Balancieren über unterschiedliche Untergründe.
Darüber hinaus ist die Fortbewegung eng mit der Umwelterkundung und Sozialisierung verknüpft. Der Welpe nimmt seine Umgebung nicht nur visuell wahr; er erfährt sie durch die Sohlen seiner Pfoten, durch die Gerüche am Boden und durch die unmittelbare Interaktion mit der Welt in Augenhöhe. Wird er getragen, wird er von diesen essenziellen Reizen isoliert. Er kann Gerüche und Taktilität von Untergründen nicht in seinem Tempo verarbeiten. Er erlebt die Umwelt passiv, statt aktiv mit ihr in Kontakt zu treten. Dies kann dazu führen, dass er später mit Unsicherheit oder Ängstlichkeit auf neue Situationen oder Geräusche reagiert, da ihm die Möglichkeit genommen wurde, diese Reize im geschützten Rahmen selbstständig zu verarbeiten und zu bewältigen. Die Fähigkeit, auf eigenen Pfoten Probleme zu lösen und sich in ungewohnten Lagen zurechtzufinden, ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur Wesensfestigkeit eines Jagdhundes.
Die Beziehung zwischen Hundeführer und Welpe wird ebenfalls durch die gemeinsame, aktive Bewegung gefestigt. Das Vertrauen entsteht, wenn der Welpe lernt, dass sein Mensch ihm Sicherheit gibt, während er die Welt erkundet, nicht indem der Mensch ihm die Welt vorwegnimmt. Ein ständig getragener Hund entwickelt unter Umständen eine übermäßige Abhängigkeit und eine verminderte Selbstwirksamkeitserwartung.
Es gibt natürlich Ausnahmen, in denen das Tragen eines Welpen sinnvoll und notwendig ist: bei Verletzungen, Krankheit, extremer Überforderung oder wenn die Welpen noch viel zu jung für lange Strecken sind. Auch in wirklich gefährlichen oder absolut überfordernden Situationen (z.B. eine Menschenmenge auf einem Festival, wo die Gefahr besteht, dass der Welpe übersehen wird), kann ein kurzzeitiges Tragen eine Schutzfunktion erfüllen. Solche Situationen sollten jedoch die absolute Ausnahme bleiben und nicht zur Regel werden.
Der Fokus sollte immer darauf liegen, dem Welpen eine Umgebung zu bieten, in der er sich sicher und selbstständig auf seinen eigenen Pfoten bewegen kann. Das bedeutet, Spaziergänge dem Alter und der Kondition des Welpen anzupassen, ihn langsam an neue Reize heranzuführen und ihm die Zeit und den Raum zu geben, die Welt in seinem eigenen Tempo zu entdecken. Die generelle Regel für die Aufzucht muss jedoch lauten: Der junge Teckel soll, dem Alter angemessen, auf seinen eigenen Pfoten die Welt erobern. Nur so kann er die nötige körperliche und mentale Stärke entwickeln, um ein verlässlicher und souveräner Jagdbegleiter zu werden. Die Stabilität der Pfoten ist die Stabilität des Charakters.

